Lausitzer Seenland: Ideal für Triathleten

In der Ausgabe 09/08 des internationalen Magazins für Triathlon „trilife“ ist ein ausführlicher Reisebericht von mir über das Lausitzer Seenland erschienen. Ich veröffentliche den vollständigen Beitrag hier noch einmal, mit dem Hinweis: Es tut sich was im Lausitzer Seenland! Viel Spaß beim Lesen und später beim Training und Wettkampf für den Triathlon in der Lausitz.

Doppelseitiger Titel zum Lausitzer Seenland in trilife 09/08

Reportage „Gib niemals auf Lausitz“ in Trilife_09/08 als PDF

Glück auf! Gib niemals auf Lausitz

von Mathias Priebe

Gott schuf die Lausitz und der Teufel vergrub die Kohle darin. Braunkohle: Segen durch Arbeit, Fluch für die Umwelt, neue Hoffnung durch das größte Landschaftssanierungsprogramm Ostdeutschlands. Mit dem Lausitzer Seenland ist eine Urlaubsregion im Entstehen, die durch ihre sportlichen Möglichkeiten besticht und mit ihren Kontrasten einmalige Reize setzt. Eine Reisereportage von Mathias Priebe, der dort wohnt, arbeitet, schwimmt, radelt und läuft.

Um es vorweg zu nehmen: Ich möchte, dass du zum Trainingsurlaub ins Lausitzer Seenland kommst. Nimm alles mit, auch die Familie. Wir haben Wasser ohne Ende, im Sommer Hitze wie auf Hawaii, Gegenwind wie auf Lanzarote und staubige Löcher wie auf dem Mond.

Ich wohne hier seit 20 Jahren und fand die Gegend anfangs furchtbar, später erträglich und heute großartig. Ich bin Journalist. Meine Sportfreunde sind die Iron Igel aus Hoyerswerda, die für dich auf einigen Fotos posiert haben. Mir kommt es vor wie gestern, als ich nach der deutschen Wiedervereinigung streikende Kohlekumpel interviewt habe. Ihre Jobs hat der Strukturwandel zu tausenden fortgeholt. Ihre Kinder sind weggezogen, zum Kellnern in die Alpen zum Beispiel. Manche kommen jetzt wieder, denn die Hoffnung wächst mit jedem Kubikmeter Wasser, der in die einstigen Gruben fließt. Insgesamt 15 neue Seen entstehen. Heute heißen sie Bärwalder, Partwitzer oder Ilse-See, aber in dem zum Beispiel ist noch gar kein Wasser drin. Dafür hat er schon ein Hafengelände mit Seepromenade.

Hunderte Kilometer gut ausgebaute Rad- und Skaterpisten führen durch das Lausitzer Seenland. Besonders beliebt sind die „Partwitzer Runde“ (21 km), die „Scheibesee Runde“ (14 km) und die „Drei-Weiberner Runde“ (8 km). Flach, schnell und oft sehr windig – wobei du irgendwie immer Gegenwind hast, egal wie rum du fährst. Beim „Seenland 100“, dem jährlichen Skater- und Radevent im Juli treffe ich einen Radler aus Österreich: „Sag mal, für dich ist das doch easy, so ohne Berge, oder?“ Seine Antwort überrascht mich: „Naja, dafür musst du hier die ganze Zeit strampeln.“ Die große Übersetzung drin jagen wir über schattige Alleen, durch schmucke Dörfer, vorbei an alten Industrieanlagen und über perfekt ausgebaute Radwege an den Seeufern. Tipp: besonders anstrengend ist die Strampelei am Scheibesee. Schwimmen darfst du dort noch nicht. „Betreten verboten – Lebensgefahr!“, warnen hier und da noch Schilder entlang der Ufer. Durch die Flutung könnten ungesicherte Böschungen ins Rutschen kommen. Aber die gute Nachricht ist: Jedes Jahr werden weitere Strände freigegeben. Heuer war es der Bärwalder See, der gleich mal Sachsens größtes Gewässer geworden ist. Dort stehen jetzt solche Hinweise: „FKK-Strand“ (Die Nacktbaderei können wir Ostdeutschen uns einfach nicht abgewöhnen). Meine Empfehlung fürs Freiwassertraining ist der Geierswalder See. Auch wenn das Wasser leicht sauer schmeckt, weil der PH-Wert noch etwas zu hoch ist. Wir sagen uns, es sei vielleicht nur ein Spritzer Balsamico und ziehen verwunderte Blicke auf uns, als wir im Neopren aber ohne Surfbrett zu Wasser gehen. Der Strand erlebt in diesem Sommer nämlich einen wahren Surf- und Segelschulboom. Der Ortschaftsrat von Geierswalde hat den Trend schnell erkannt, eine holprige Wiese als Parkplatz eingezäunt und einen Parkomaten aufgestellt. Der Tourismus im Lausitzer Seenland entwickelt sich also.

Nicht weit von dort wird weiter Braunkohle abgebaut. Förderbrücke F60 heißt die größte Bergbaumaschine, die du dir ansehen musst. Der Name steht für eine Fördertiefe von 60 Metern in einem Arbeitsgang. Ein umgelegter Eifelturm ist das, nur knapp die Hälfte länger als der Pariser, nämlich 500 Meter. Und wir haben gleich fünf davon! Vier dienen dem aktiven Bergbau und einer avanciert als Besucherbergwerk zum größten Klettergerüst der Welt. Die Kohlekumpel selbst haben die F60 in Lichterfeld vor der Verschrottung gerettet. Michael Nadebohr vom Förderbrücken-Förderverein weiß von dramatischen Zeiten zu berichten, als die Treuhand schon den Sprengmeister bestellt hatte. Das war vor gut 15 Jahren. Heute ist sein „Maschinchen“ Kulisse für Sportevents und Kulturveranstaltungen. (Ich hätte gern gewusst, was mein Ösi-Radbegleiter beim Verpflegungshalt in Lichterfeld gesagt hat. Aber da war er mit seinen dicken Alpenwaden schon auf und davon…) Den geplanten Brückenlauf über die schmalen Stahltreppen hat das Bergamt vorerst nicht genehmigt. Dafür kuscheln Turmfalkenbabys in einer Nische aus Stahl als Herr Nadebohr zu einer weiten Armbewegung ausholt: „Hier liegt die beste Kohle der Lausitz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie für immer und ewig in der Erde bleibt.“ Die explodierenden Ölpreise wecken neue Begehrlichkeiten nach dem schmutzigen Schatz der Lausitz.

Als Besucher des Lausitzer Seenlandes solltest du (noch) keine touristisch perfekten Bedingungen erwarten. Du kommst in eine Urlaubsregion im Entstehen. Mit etwas Entdeckerlaune und Abenteuerlust findest du reichlich Angebote für dich und die mitgereiste Familie. Ein paar Highlights haben meine Sportfreunde von den Iron Igeln für Dich ausprobiert. Jetski-Fahren zum Beispiel: Als einzige Süßwasserstation gehört das Jetbootzentrum von Andreas Kammann inzwischen zum WM-Zirkus dieses Wasserrennsports. Die Profis machen Loopings aber auch du wirst sicher ein paar imposante Bugwellen hinlegen. Einer der Seen wird in den kommenden Jahren zum Speedsee ausgebaut, eine Formel-1-Piste für Rennboote. Von der DTM bis zur österreichischen Motorradmeisterschaft reichen die Events auf dem Eurospeedway Lausitz, den die Einheimschen Lausitzring nennen. Die über viele Jahre defizitere Rennstrecke kommt langsam in Schwung und wird regelmäßig auch von Radlern und Skatern in Beschlag genommen. Von Mai bis August gibt es hier jeden Donnerstag Abend eine Bladenight. Off-Road-Spaß gehört auch zum Seenland. Für‘s Trilife-Foto nimmt uns Andreas Ittmann aus Klein Partwitz mit auf eine Quad-Schnupperrunde. Seine Geschichte ist typisch für die Gegend. Der Opa hatte eine Landwirtschaft in Groß Partwitz. Das Dorf hat wie so viele der Kohlebagger gefressen aber nicht den Unternehmergeist der Ittmanns. Sein Vater betreibt heute einen Gasthof und Sohnemann hat sich mit den 4-Wheel-Bikes selbständig gemacht. Letztes Jahr musste er noch nebenbei jobben aber schon in diesem Sommer ist er regelmäßig ausgebucht mit seinen geführten Touren über ehemalige Abraumhalden. Der sympathische Guide wischt sich den Staub aus dem Gesicht und sagt: „Wir wachsen so wie das Seenland wächst.“ Langsam aber sicher.

Auf Deinen Touren durch die Lausitz werden Dir zweisprachige Ortsschilder begegnen. Du bist im Siedlungsgebiet der Sorben, dem slawischen Volk, das sozusagen die älteren Rechte hat in der Gegend. Auch wenn ihr Alltag wenig mit der bunten Folklore zu tun hat, die hier zu Ostern zur Aufführung kommt, wirst du Dörfer finden, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Die Sorben haben auch das Sprichwort geprägt vom Teufel, der in der Lausitz die Kohle vergraben hat. Apropos Teufel: „Komm zur schwarzen Mühle nach Schwarzkolm, Krabat!“ Die Sage des tapferen Burschen, der dem Teufel ein Schnippchen schlägt, ist hier zu Hause. Vielleicht kennst Du die Geschichte noch aus Schulzeiten. Als Spielfilm läuft der Krabat gerade in den deutschen und österreichischen Kinos an (Start: 9. Oktober 2008). Gedreht wurde allerdings woanders, nämlich in Rumänien. 20th Century Fox hat mir erklärt, dass sie eine Gegend gesucht hätten, in der es wirklich noch aussieht wie im 17. Jahrhundert. Nehmen wir das mal als Kompliment für die Lausitz auch wenn die Mädels im Dorf den Daniel Brühl in einer der Hauptrollen gern leibhaftig gesehen hätten. Die Krabatmühle entsteht mit viel Fleiß gerade neu, nachdem die alte nicht mehr begehbar ist. Wenn du dort vorbei kommst, nimm zur Rast ruhig ein Krabatbier. Teufelszeug!

Reden wir noch einmal über unseren Sport. Seit 20 Jahren gibt es Triathlon in der Lausitz. Der Knappenman ist damit einer der ältesten Wettbewerbe Ostdeutschlands. „Wir haben 1989 als reiner Staffelwettkampf begonnen.“, erzählt der Triathlonknappe der ersten Stunde René Dasler. Als Chef vom Kreissportbund ist er stolz darauf, dass Nationalmannschaftsmitglied Maik Petzold frühe Triathlonerfahrungen am Knappensee gemacht hat: „Maik und sein Vater Reinhard haben uns über Jahre die Treue gehalten.“ Den ersten Aufruf hatten drei Redakteure der Lokalzeitung gestartet und auf Anhieb fanden sich 30 Staffeln, die nacheinander geschwommen, geradelt und gelaufen sind. Die Dauercamper am Knappensee haben sich inzwischen an den für sie merkwürdigen Sport gewöhnt. Heute klatschen sie von ihren Klappstühlen wenn am letzten Augustwochenende ihr Badesee zwei Tage lang kräftig umgerührt wird und auch drum herum mächtig Bewegung herrscht. Zum Jubiläum waren es heuer sächsische Meisterschaften auf der Mitteldistanz gemixt mit den traditionellen Volkssportstaffeln. Ob dereinst ein langer Ironman dazugehören wird? Ich habe für dieses Jahr mein Ziel geschafft: Finisher auf der Halben. Klar, dass wir jetzt nach Höherem streben, das Lausitzer Seenland und ich auch. Wir sehen uns zum Training!

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